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#2 Different Classical Guitar Finishes
#2 Different Classical Guitar Finishes

#2 Verschiedene Lackierungen für klassische Gitarren

21. April 2018

Die Lackierung eines Instruments dient nicht nur der Optik; ihre Hauptfunktion ist der Schutz der empfindlichen Hölzer vor Umwelteinflüssen. Feuchtigkeit und Körperöle können in die Poren des Holzes eindringen, die Oberfläche verformen und die Schallübertragung beeinträchtigen. Zu starke Trockenheit kann Risse und Spalten verursachen. Selbst ultraviolettes Licht der Sonne kann manche Hölzer ausbleichen, andere verdunkeln und verfärben. Die Lackierung Ihres Instruments ist so konzipiert, dass sie die Auswirkungen der Umwelt minimiert oder sogar ganz verhindert.

Die Lackierung Ihrer Gitarre hat großen Einfluss auf ihren Klang. Im Vergleich zu Gitarren mit Stahlsaiten schwingt die Decke einer klassischen Gitarre deutlich weniger Energie (bedingt durch die Verwendung von Nylon- oder Darmsaiten). Deshalb sind hochwertige Lackierungen oft empfindlich; sie sollen das Instrument zwar vor Umwelteinflüssen schützen, aber gleichzeitig einen guten Klang ermöglichen. Viele Instrumente haben im Laufe der Jahre an Klangqualität eingebüßt, weil dicke und harte Lackierungen die Schwingung der Decke behinderten.

Die drei wichtigsten Oberflächenbehandlungstechniken, die sich in den letzten Jahrhunderten herausgebildet haben (und auch heute noch Anwendung finden), sind: Schellackpolitur, Polyurethanlack und Nitrozelluloselack.

Französische Politur

Die französische Politur ist eine Methode, Schellack auf die Oberfläche eines Instruments aufzutragen. Trotz des Namens „französische Politur“ wird bei dieser Oberflächenbehandlung keine Politur verwendet. Man geht allgemein davon aus, dass der Begriff von dem intensiven Reiben herrührt, das für ein gleichmäßiges und perfektes Auftragen des Schellacks notwendig ist.

Die französische Politur ergibt aus akustischer Sicht ein sehr schönes Finish, allerdings ist diese Oberfläche extrem empfindlich und kann selbst durch einen Fingernagel leicht beschädigt werden. Aufgrund der bereits erwähnten geringeren Schwingungsenergie von klassischen Gitarren ist die akustische „Transparenz“ der französischen Politur besonders vorteilhaft für diese Gitarrenart. Dies kompensiert die Empfindlichkeit der Oberfläche, die den größten Kompromiss darstellt.

Die französische Politur gilt vielen als die führende Methode zur Veredelung von klassischen Gitarren; dies liegt an dem hohen Arbeitsaufwand und dem handwerklichen Können, das für die korrekte Ausführung der Technik erforderlich ist.

Polyurethan

Polyurethan ist ein moderner Sprühlack und heutzutage der am häufigsten verwendete. Akustisch mag er der oben erwähnten Schellackpolitur oder Nitrolack unterlegen sein. Polyurethan hat jedoch seine Vorteile: Er ist relativ einfach aufzutragen und kostet nur einen Bruchteil anderer Lacke. Außerdem lässt er sich in relativ kurzer Zeit verarbeiten und neigt nicht zu Rissen oder Sprüngen.

Der Nachteil von Polyurethanlackierungen besteht darin, dass sie dick und unflexibel sind und die Schwingungs- und Resonanzfähigkeit des Instruments im Vergleich zu anderen Lackierungen einschränken. Rein aus Sicht der Fertigungseffizienz und der Kosten sind die moderneren Polyurethanlackierungen jedoch die dominierende Methode.

Nitrozelluloselack

Nitrozelluloselack ist ein Spritzlack, der sehr strapazierfähig und leicht auszubessern ist. Bei fachgerechter Anwendung bietet er hervorragende akustische Eigenschaften und exzellenten Schutz. Da Nitrozelluloselack gespritzt wird, sind spezielle Techniken erforderlich: Der Lack muss in einer geschlossenen Umgebung aufgetragen werden, um das Eindringen von Staub und Verunreinigungen zu vermeiden. Die Spritztechnik muss präzise und gleichmäßig sein, um Unebenheiten zu verhindern. Nitrozelluloselack sollte in mehreren Schichten aufgetragen und zwischen den einzelnen Schichten von Hand verrieben werden, um eine gleichmäßige und dünne Oberfläche zu erzielen.

Frühe Gitarren wurden mit nitro-ähnlichen Lacken versehen, da dies das damals verfügbare Material für klassische und elektrische Gitarren war. Nitrolacke weisen viele vorteilhafte Eigenschaften auf: Sie sind dünn, reparierbar, flexibel und beeinträchtigen die Schwingungen des Holzes nicht. Für ein rein akustisches Instrument sind dies äußerst wünschenswerte Eigenschaften, und ein minderwertiger Lack kann den Klang erheblich mindern. Allerdings ist das Auftragen von Nitrolacken arbeitsintensiv und zeitaufwendig, und sie sind leicht entzündlich und giftig. Für den Betrieb einer Lackierkabine sind spezielle Genehmigungen erforderlich, was die Kosten zusätzlich erhöht.

In allen drei besprochenen Fällen sind zahlreiche Variationen möglich. Dies sollten Sie beim Kauf (oder Bau) eines Instruments berücksichtigen. Kontaktieren Sie uns gerne für weitere Informationen zur Verwendung der verschiedenen Lacke und Oberflächenbehandlungen.

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