Wo ist der Halsstab? Manchmal ist er nirgends zu finden, da nicht alle Gitarren einen Halsstab haben. Mehr dazu später. Falls Ihre Gitarre aber einen Halsstab besitzt, befindet er sich im Hals. Es handelt sich um einen Metallstift, der dafür sorgt, dass der Gitarrenhals der ständigen Saitenspannung standhält. Ein Gitarrenhals besteht aus Holz. Zieht man ihn lange und stark genug, verzieht er sich früher oder später. Eine vereinfachte und etwas übertriebene Skizze der Gitarrenseite sieht folgendermaßen aus: Ein Gitarrenhals kann daher eine zusätzliche Verstärkung auf der Rückseite gebrauchen, um der Saitenspannung entgegenzuwirken. Dafür gibt es verschiedene Möglichkeiten. Manchmal wird der Halsfuß mit härterem, tropischem Holz verstärkt. Doch ein quadratischer oder T-förmiger Metallstift in einer gefrästen Nut im Hals, direkt unter dem Griffbrett, hat sich schnell als Standardlösung etabliert. Ist ein Halsstab verstellbar? Ein solcher Metallstift sorgte zwar für mehr Stabilität, hatte aber auch Nachteile. Holz dehnt sich stärker aus und zieht sich stärker zusammen als Metall, was zu Spiel oder Reibung führen kann. Dies lässt sich beheben, indem man den Metallstift leicht mit oder gegen das Holz bewegt. Bereits 1923 ließ Gibson einen verstellbaren Halsstab patentieren. Mit einem solchen verstellbaren Halsstab lässt sich die Halskrümmung jederzeit anpassen, indem man den Metallstift etwas fester oder lockerer dreht. Heutzutage gibt es sogar Zweiwege-Halsstäbe. Diese bewegen sich in zwei Richtungen, sodass die Halskrümmung noch präziser eingestellt werden kann. Für zusätzliche Stabilität und geringeres Gewicht werden sie manchmal sogar aus Titan gefertigt! Benötigt jede Gitarre einen Halsstab? Heutzutage ist ein verstellbarer Metallstift im Hals einfach Standard. Selbst Traditionsunternehmen wie Martin verbauen seit 1985 in den meisten Modellen verstellbare Halsstäbe. Dadurch entsteht der Eindruck, ein Halsstab sei mittlerweile ein unverzichtbarer Bestandteil einer Gitarre. Das stimmt aber nicht. Gitarren kommen auch ohne ihn bestens zurecht! Wie ist das möglich? Mein Kollege Maarten Dispa hat schon Dutzende Gitarren ohne Halsstab gespielt. „Schau dir nur mal klassische Gitarren an, die haben fast nie einen Halsstab. Westliche Gitarren ohne Halsstab sind einfach anders verstärkt. Gibson zum Beispiel hat 1944 einige J45 komplett aus Mahagoni gebaut, die mit Ebenholzverstrebungen versehen waren. Metall war damals kriegsbedingt knapp, aber dank des zusätzlichen Holzes sind es großartige Gitarren! Wenn man so eine Gitarre gut pflegt, braucht man überhaupt keinen Halsstab.“ Aber hat ein Halsstab denn gar keine Vorteile? Maarten: „Auf jeden Fall! Er kann sehr nützlich sein, zum Beispiel, wenn man Gitarren in einer anderen Stimmung spielt oder Saiten mit einer anderen Stärke verwendet. Dann ändert sich die Spannung im Hals, und man kann die Gitarre leicht daran anpassen. Bei einem Setup schauen wir uns das immer genau an. Aber ist er wirklich notwendig? Nein, eigentlich nicht. Im Idealfall ist ein Hals einfach immer so stabil wie möglich, und dafür gibt es einige gute und clevere Lösungen. Zum Beispiel mit zusätzlichem Holz, aber auch Carbon ist möglich. Laminierte Hälse aus mehreren Holzschichten sind in der Regel auch viel stabiler. Wer weiß … in 20 Jahren verkaufen wir vielleicht mehr superstabile Gitarren ohne Halsstab.“ Wie kann ich den Halsstab einstellen? Zuerst müssen Sie die Einstellschraube für den Halsstab finden, da diese oft versteckt ist. Bei manchen Marken (darunter Taylor, PRS und Gibson) befindet sie sich unter einer Abdeckung am Kopf. Bei anderen Marken (Martin, Lowden, Collings, Santa Cruz) befindet sich der Zugang am Ende des Halses im Schallloch. In welche Richtung soll ich den Halsstab drehen? In diesem Video erklärt unser Gitarrenbauer Erwin sehr gut, was ein Halsstab bewirkt und wie man ihn einstellt: Wollen Sie eine stärkere Krümmung des Halses? Dann lockern Sie den Halsstab. Links = Locker Normalerweise macht man das, wenn die Saiten am Griffbrett klappern. Wollen Sie die Krümmung des Halses verringern? Dann ziehen Sie den Halsstab fester an. Rechts = Eng Normalerweise macht man das, um den Abstand zwischen den Saiten und dem Griffbrett etwas zu verringern (auch: niedrigere Saitenlage genannt), damit die Gitarre etwas leichter zu spielen ist. Diese Regel: Links = locker und Rechts = fest, gilt für beide Halsstäbe mit einem Schraubenende im Schallloch und im Kopf, solange man über den Hals schaut, um die Richtung zu bestimmen. Mit einer Schraube im Schallloch sieht die Einstellung „Links = locker“ folgendermaßen aus: Im Falle einer Schraube im Spindelstock sieht die linke Seite (lose) folgendermaßen aus: Beim Einstellen des Halsstabes sucht man nach dem optimalen Abstand zwischen Saiten und Griffbrett. Dieses Gleichgewicht ist für jedes Instrument und jeden Spieler etwas anders, aber im Allgemeinen klingen die meisten Akustikgitarren am besten mit einer leichten Halskrümmung. Dadurch können die Saiten frei schwingen, ohne an den Bünden zu schnarren (auch als Schnarren bekannt). Den Halsstab selbst einstellen oder es machen lassen? Kurz gesagt, lässt sich die Halskrümmung durch Anziehen oder Lockern des Halsstabes leicht anpassen. Dadurch wird das Spielen der Gitarre etwas leichter. Auch die Intonation lässt sich leicht verbessern oder Probleme mit schnarrenden Saiten beheben. Das klingt fast wie ein Wunder, und wenn man dem Internet Glauben schenken darf, ist es kinderleicht. Dennoch möchten wir Ihnen keine Angst machen, sondern Sie warnen, denn wir erleben manchmal, dass Dinge schiefgehen. Erstens, weil manche Leute den Halsstab zu weit anziehen. Dann kann er zu fest sitzen und die Gitarre ernsthaft beschädigen. Es ist wichtig zu wissen, dass sich Veränderungen durch weniger als eine Vierteldrehung des Halsstabs kaum bemerkbar machen, da sich eine Gitarre manchmal erst nach über einem Tag an diese minimale Drehung anpassen kann. Wer nicht abwartet und weiterdreht, dreht ihn zu weit und merkt die Folgen erst Tage später. Andere sind zu vorsichtig. Auch das Festziehen des Halsstabs bei voller Saitenspannung kann Probleme mit dem Steg verursachen. Und schließlich ist die leichte Krümmung des Halses nur ein Teil der perfekten Einstellung einer Akustikgitarre. Auch die Höhe des Korpus, des Stegs und der Bünde spielen eine Rolle. Bei einer professionellen Einstellung nimmt ein Gitarrenbauer das sofort in Angriff. Also ja: Sie können mit dem Halsstab beginnen. Gehen Sie dabei aber immer vorsichtig vor. Sind Sie unsicher? Die Gitarrenbauer in unserer Werkstatt haben Erfahrung mit der Einstellung nahezu aller Gitarrenmarken – sowohl akustischer als auch elektrischer! Kontaktieren Sie uns gerne.